Schön, dass DU da warst!

(English text at the bottom)

Es war eine Reise über nahezu ein Jahrzehnt, die in der vergangenen Woche ein plötzliches Ende nahm. Peter Kruse ist tot. Mit ihm ist mein wichtigster Gesprächspartner in Sachen Internet und Netzwerke gegangen. Und ich habe meinen Mentor verloren – einen inspirierenden Menschen mit einer unglaublichen Fähigkeit, Dinge auf den Punkt zu bringen und sie wunderbar in Worte zu fassen. Was ich am meisten an ihm schätzte, war, dass er wirklich “Walk your Talk” lebte. Er stand für das was er sagte, und sagte nie etwas für das er nicht stand. Verbiegen wollte, ja konnte er sich nicht. Ich schätze mich sehr glücklich, dass er mich mit auf seine Reise durch die Netzwerke und das Internet genommen hat und das wir in vielen Meilensteine über die Jahre immer einen Schritt weiter kamen … auch wenn wir nie angekommen sind. Aber das macht nichts. Denn es lag in der Natur unseres Themas, nicht anzukommen. Er wird mir sehr fehlen auf meinem weiteren Weg. Peter hat mir sehr viel Orientierung gegeben. Orientierung in der Form, dass er durch seine Analysen und Aussagen Sicherheit in mein eigenes Tun und Handeln brachte.

picture_Kruse_Peter_Prof_Dr_nextpractice

Bereist haben wir Netzwerke. Manchmal haben wir es Internet genannt. Manchmal offene Systeme. Manchmal “we”. Gereist sind wir meist alleine – aber mit einer starken mentalen Verbindung. Mit gemeinsamen Werten. Ganz weit weg und doch nah dran. Wie es in Netzwerken eben der Fall ist. Peter hat mich einmal als “eine passionierte Grenzgängerin” bezeichnet. Ich habe dies als großes Kompliment aufgefasst, weil Leidenschaft und das Überschreiten von Beschränkungen und Grenzen jeglicher Art genau die Eigenschaften waren, die Peter von vielen anderen unterschied. Und das hat er wohl auch in mir gesehen.

Mein erstes Treffen mit ihm werde ich nie vergessen. Lutz Berger, ein Kollege aus Heidelberg, hatte mich gefragt, ob ich nicht Peter interviewen möchte. Ich kannte ihn bis dahin nicht. Was ich dann über mehr als zwei Stunden in Bremen erlebte, war eine Tour de Force. Ich habe dieses erste Interview in wahrsten Sinne des Wortes erlitten. Ich habe nur Bruchstücke von dem verstanden und mitbekommen, was Peter in seine Antwortsätze packte. Er sprach so schnell, seine Antworten waren so Inhaltgeladen und seine Ausdrucksweise war so wissenschaftlich – ich hätte eigentlich ein Lexikon gebraucht, um alles unmittelbar verstehen zu können. Ich konnte kaum folgen. Aber irgendwie habe ich mich “durchgewurschtelt”. Lutz hinter der Kamera hat es geschafft, mich dennoch gut aussehen zu lassen und wir haben das Interview fertig gestellt und in kleinen Einheiten (eine Frage/eine Antwort) auf youtube hoch geladen. Es ging um Kreativität, Netzwerke und in ersten Ansätzen um die Potentiale des Internets. Die Videos gingen viral und wurden bis heute mehr als eine Million mal angeschaut. Es war der Beginn einer ausserordentlichen und ungewöhnlichen Zusammenarbeit, die sich über die Jahre zur einer schönen Freundschaft ausweitete.

Nach diesem Interview haben wir mit diversen interaktiven Veranstaltungsformaten experimentiert. Peter liebte vor allem Livestreams, in denen er unvorbereitet auf die Fragen der Zuschauer antwortete. Es waren immer sehr spannende Events. Für alle Beteiligten. Je besser ich Peters Marktforschungstools und Analysen verstand, desto deutlicher wurden für mich ihre Parallelen zum Netz. Peters Verständnis und Annäherung an das Internet, was zu Beginn eher zögerlich war, kam von einer ganz anderen Ecke. Das war spannend. Als Systemtheoretiker und Netzwerkforscher haben ihn die Potentiale dieser neuen Infrastruktur doch sehr schnell begeistert. Wie kein anderer in Deutschland – und nach meinem Empfinden kann ich das auf die ganze Welt ausweiten – hat er das Internet “erklärt” und begreiflich gemacht. Er hat den plötzlich auftretenden und bis dato unbekannten Aufschaukelungseffekten einen theoretischen Rahmen verpasst. Und die Internetgemeinde hat ihn spätestens nach seinem spektakulären Vortrag auf der re-publica2010 dafür geliebt. Sie hatte eine Leitfigur. Doch Peter ist nie in diese Rolle geschlüpft, in der man ihn gerne gesehen hätte. Er blieb bis zu seinem Tod ein kritischer Mahner doch das Internet als das zu nutzen was es ist: ein offenes System mit Dynamiken und Unvorhersehbarkeiten in einem bis dato unbekanntem Ausmass. Sein Plädoyer, das Internet als ein neues System zu begreifen, das nicht versucht, das Alte besser zu machen oder auf dem Alten neu aufzusetzen, sollte nachklingen. Das Netzwerk als Möglichkeit komplexe Probleme zu erkennen, zu verstehen und kollektiv zu lösen – dieses Potenzial sah er weitgehend als ungenutzt. Und ich würde mir wünschen, das Peters zahlreiche Anhänger und begeisterte Zuhörer vermehrt beginnen, dies umzusetzen. So kann Peter durch uns weiter dabei sein.

Ich weiss nicht wie viele Stunden Video ich mit ihm produziert habe, an wie vielen Textvorlagen ich mich versucht und nach wie vielen richtigen Worten ich in Übersetzungen gemeinsam mit Paul Morland gesucht habe. Worte waren wichtig für Peter. Sie wurden vom ihm nicht nur “genutzt” – sie hatten einen festen Sinn und waren immer wohl gewählt. So war auch jeder Tweet von ihm ein kleines literarisches Meisterwerk – mal mahnend, mal ermutigend. Nie die eigene Sache propagierend. Immer Inhaltgeladen. Er hatte keinen schluderhaften Umgang mit Sprache. Für ihn war das gegenseitige Verstehen, der Austausch, die Grundvoraussetzung für gemeinsames Handeln. Deshalb hat er sich auch damals auch an DNA digital – dem Austausch zwischen Digital Natives und Managern – beteiligt. Er hat es als ein Licht an Ende des HR-Tunnels bezeichnet. Es war der Austauschprozess, der DNA digital zugrunde lag, der ihn reizte.

Unsere Reise hatte viel Highlights. Jeder davon brachte uns einen Schritt weiter im Verstehen was das Netz eigentlich ausmacht und wie wir es für Problemlösungen nutzen können. Es brachte uns auch weiter in unserem gegenseitigen Verstehen. Vom ersten, aus meiner Perspektive erlittenen Interview angefangen, in dem ich wirklich kaum folgen konnte, hat sich über die SCOPE, DNA digital, einer zweistündigen Aufzeichnung eines Skypecalls zur “Kernschmelze von Unternehmenswerten”, das erste Google-Buch “Think Quarterly”, Peters Auftritt bei der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages bis hin zu unserem Workshop bei der NATO zur Vorbereitung des NATO Summits in Chicago 2013 und schliesslich im vergangenen Jahr das Forum Gute Führung – ein gegenseitiges Verständnis und Verstehen entwickelt, so dass ich heute kein Lexikon mehr benötige, um Peter zu verstehen. Ich kann seinen Äusserungen und Gedanken deutlich einfacher folgen.

Was uns am längsten beschäftigt hat, war Peters Idee und sein Wunsch ein Institut aufzubauen. Ein Institut, das ein besseres Verständnis für das komplexe Miteinander in unserer Gesellschaft schafft und Diskursprozesse für eine lebenswertere Welt initiiert. Er war sehr besorgt über die zunehmenden gesellschaftlichen Spaltungen, die sich in vielen seiner Befragungen als ernstzunehmende Befürchtungen in der Bevölkerung herauskristallisierten. Mein erstes Interview dazu habe ich mit ihm vor drei, vier Jahren gemacht. Die Dringlichkeit mit der Peter jedoch die Idee im letzten Jahr vorantrieb, hatte sich sehr gesteigert. Seine gestiegene Besorgnis wurde auch sehr deutlich in meinem letzten Interview mit ihm – es ist gerade mal vier Wochen her, dass wir an seinem Teich in Barnstorf zusammen sassen und gesprochen haben. Ich kam eigens dafür aus Indien angereist. Es ging eigentlich um etwas ganz anderes – um den fünften online Geburtstag von OUBEY, einem eigenwilligen interaktiven Kunstprojekt, das Peter von Beginn an beobachtete und begleitete. In der Provokation – wie er es nannte – mit der das Projekt mit dem etablierten Kunstbetrieb umgeht, fand er spannende Ansatzpunkte für ein neues System “Kunstmarkt”, in dem der Kunst wieder eine bedeutende Kraft für das Entstehen von kulturellen Werten zukommt und sie nicht zu einem Anlageobjekt in der Welt des Finanzkapitalismus verkommt. Er nahm das Gespräch zum Anlass, uns alle aufzufordern, ganz grundlegend über Fragen wie “In welcher Gesellschaft wollen wir leben?, “Müssen wir nicht den Begriff des Kapitals neu definieren?” “Was passiert mit einem System, wenn ihm das Feindbild abhanden kommt?” “Brauchen wir Räume, die frei von kommerziellen Marktmechanismen sind?” nachzudenken … Die Fragestellungen seines geplanten Instituts. Mich werden diese Fragen weit über seinen Tod hinaus beschäftigen und ich werde weiter in seinem Sinne das Netzwerk und die darin liegende kollektive Intelligenz als Problemlöser nutzen.

Nun bin ich wieder auf der Reise von Indien nach Bremen. Die letzten Zeilen dieses Textes habe ich im Nachtzug von Khajuraho nach Delhi geschrieben. Heute abend geht es dann weiter nach Deutschland. Es ist eine sehr traurige Abschiedsreise. Und das in sehr stürmischen Zeiten. Die Zukunft des Internets ist sehr ungewiss – die scheinbar so schnell entstandenen demokratischen Freiräume sehen sich aktuell grossen Einschnitten gegenüber. Ich kann Peters Tod noch gar nicht richtig begreifen, aber eines ist mir klar; mir wird Peter sehr fehlen auf diesem weiteren Weg – irgendwie ist auch Etwas von mir gegangen.

—————-

Thank you for being there!

Ours was a journey spanning some ten years that came to an abrupt end last week. Peter Kruse is dead. With him I have lost my key sparring partner in issues of the internet and networks. And I have lost my mentor – an inspirational man with an incredible ability to get right to the point and express his thoughts in marvelous language. What I admired about him most was that here was a man who really did “Walk his Talk”. He stood for everything he said and never said a word that he couldn’t back up. Bending, compromise, was not part of his nature. I consider myself highly privileged that he took me with him on his journey through the world of networks and the internet and that over the years and over many milestones we gradually moved forward – even though we never finally arrived. But that doesn’t matter because never arriving at some final point was part and parcel of the quest we were on. I will miss his companionship badly. Peter gave me orientation. Orientation that in the shape of his analyses and pronouncements provided me the reassurance I needed to continue to forge my own way.

David-Weinberger-im-Gespräch-mit-Peter-Kruse

David Weinberger in conversation with Peter Kruse, Petersberg 2011

Our travels were in the realm of networks. Sometimes we called them internet. Sometimes open systems. Sometimes we. We mainly travelled alone at different ends of the globe – but the mental bond connecting us was always immediate and strong. A mental bond composed of shared values we both held dear. Physically separated yet very close. Just as happens so often in networks. Peter once called me an “impassioned maverick” and I took this as a huge compliment because passion and a disregard for all kinds of restrictions and marker boundaries were exactly the qualities that distinguished him from so many others. And I recognized that he saw something similar in me.

I will never forget that first meeting of ours. Lutz Berger, a colleague of mine from Heidelberg, asked me to do an interview with him. I’d never even heard his name. But in that first interview in Bremen I was at the receiving end of a true intellectual tour de force. When I finally emerged from those two hours I was literally shattered. I’d only managed to grasp a few bits of what he was saying in answer to my questions. He spoke so quickly and his arguments were so compressed and precise and couched in such academic language that I’d have needed a dictionary to decipher it. I struggled vainly to keep up. But somehow I muddled through and Lutz behind the camera managed to show me in not too bad a light. We produced the video and published it on YouTube in little one question one answer excerpts. It was about creativity, networks and in a tentative kind of way about the potential packed by the internet. The videos went viral and have now been viewed over one million times. It was the beginning of an extraordinary and unusual partnership which over the years grew into a beautiful friendship.

Following from this interview we launched into experiments with various interactive event formats. Peter was especially fond of livestreaming where without any kind of preparation he could grapple with the questions viewers posed. These events were always excitement-packed high octane occasions. For everyone involved. As I began to understand the market research tools Peter used and his analyses, I began to get a much clearer idea of the parallels between them and networks. Peter‘s way of approaching and understanding the internet, hesitant at first, came from a completely different background to my own which made it fascinating to watch. Yet as a system theorist and network analyst he soon became enthusiastic about the possibilities inherent in this new infrastructure. Like no one else in Germany – and I could also say like no one else in the entire world – Peter explained the internet and made it understandable. He supplied the theoretical framework to those suddenly eruptive resonance effects, a new phenomenon at the time. And the internet community embraced him and loved him for this, especially after his spectacular lecture at re-publica2010. They had found a new leader, a new guru. Yet these were mantels Peter resisted putting on however much people might urge him to do so. Right up to his death he remained a critical admonitory figure tirelessly advocating use of the internet for what it is – an open system with its own unprecedented level of dynamics and unpredictability. His writings in favor of an understanding of the internet as a new system in its own right, not one that improves on what was already there or adds new elements to it should live on after him. Seeing the network as a possibility for understanding complex problems and moving collectively to solve them is a huge – and as he saw it – largely untapped potential. And what I would love to see is that Peter‘s numerous followers and all those people he enthused with his talks would begin to realize this potential. And, by doing so we could keep Peter among us.

I’ve lost count of the many hours of video I spent producing with him, of all the draft texts I’ve worked through and of the many hours spent puzzling over the right word with Paul Morland, his English translator. Words were important for Peter. They weren’t just “used” by him –they always had a definite meaning and were always well chosen. Each of his tweets was a minor literary masterpiece – now cautionary, now encouraging. Never basely self-serving. Always with something vital to say. He was always precise and meticulous in his dealings with language. For him mutual understanding, debate and discussion were the bedrock on which collective action was based. This is why among things he also joined DNA digital – the dialog between digital natives and managers – which he saw as a light at the end of the HR tunnel. It was the process of dialog built on DNA digital that fascinated him.

Our common way had many high points. Each of them brought us a little nearer to understanding the unique qualities of the Net and how we could exploit them for tackling problems. And they also brought us forward in our own mutual understanding. From that first – and in my view horrendous – interview where I was completely at sea, a succession of stages like SCOPE, DNA digital, a two hour recording of a Skype call on “The Meltdown of Corporate Values”, “Think Quarterly” the first Google book, Peter‘s participation in the German Bundestag’s enquiry commission, our NATO workshop in the run-up to the NATO Summit in Chicago 2013 and finally last year the Forum on Good Leadership have nurtured a ready mutual understanding such that I no longer need to reach for the dictionary to grasp what Peter intends to say. I have a much clearer appreciation of his statements and thoughts.

The most enduring of our concerns was Peter’s idea and desire to found an institute for inculcating a better understanding of the complex processes that underpin our co-existence in society and for promoting dialog to make the world we live in a better place. He was extremely worried about the increasing number of rifts and gulfs opening up in our society which, as the number of surveys he conducted made only too clear, large sections of the population now perceive as serious threats. My first interview with him on this issue took place three or four years ago. Yet the pressing sense of urgency with which Peter drove this idea only increased in the meantime. This unprecedented sense of unease was also very apparent in the last interview I made with him – just four weeks and a whole world ago when we were sitting beside the pond in the garden of his house in Barnstorf. I had flown in from India specially to make it. The interview was actually about something quite different – about the fifth anniversary of the OUBEY MINDKISS online project, a highly unconventional interactive art project that Peter had watched and supported from its inception. In the way that this project willfully ignores and circumvents the established art business – in its “provocative stance” as he called it – he saw the exciting beginnings of a new art market system in which art would once more be a major force for the creation of cultural values and stop being debased as an investment asset in the world of financial capitalism. He took this conversation as an opportunity to call on each of us to rethink such fundamental questions as “What kind of a society do we want to live in?”, “Don’t we need to redefine the concept of capital?”, “What happens to a system when it loses its favorite bogeyman?”, “Don’t we need spaces free of commercial market mechanisms?” It was precisely questions of this kind that his cherished institute would have addressed. And these are the questions I shall continue to devote myself to after his death and, as he would have wished, use the network and its inherent collective intelligence as a means for supplying answers.

Now once more I am travelling from India to Bremen. The last lines of this text were written in the night train from Khajuraho to Delhi. Then comes the evening flight to Germany. An acutely painful last journey. In a time of great tumult. The future of the internet hangs in the balance as great inroads are now being made into the democratic free spaces that seemed to spring up so effortlessly. I still can’t fully comprehend Peter’s death but one thing is certain – I will miss him dreadfully on my further journey – somehow something in me has gone as well.

Was zeichnet NEUE Führung aus ?

Sorry, once in a while I have to add blog posts in my mother tongue. The following post is about “What defines new leadership” in the enterprise world, a project I’ve been working on as a freelancer for the last year. And it’s focus is Germany only.
—————————————–

Ich habe im vergangenen Jahr immer wieder für das Projekt “Forum Gute Führung” gearbeitet, unter der Federführung von nextpractice in Bremen. Ich habe Interviews mit Führungskräften und Experten gemacht, Texte geschrieben und beim Relaunch der Website mitgeholfen. Die Arbeit hat Spass gemacht und auch ein paar graue Haare mehr gebracht. Das Projekt ist eines von vielen sog. INQA-Projekten (Initiative Neue Qualität der Arbeit) die vom Bundesminiterium für Arbeit und Soziales gefördert werden. nextpractice hat die Projektleitung übernommen und arbeitet mit anderen Unternehmen zusammen. Für mich war der Prozess der vergangenen 15 Monate selbst ein Paradebeispiel dafür, wie facettenreich das Thema Führung ist und wie groß die Spannungsfelder sein können, die sich hin und wieder auftun. Die unterschiedlichsten Arbeitsweisen und Führungstile von Ministerium, Inhaber geführten Unternehmen und freelancern verdeutlichten gewissermassen die Aktualität und Relevanz der Studienergebnisse – es waren immer wieder Aushandlungsprozesse notwendig und der Bedarf an einer gemeinschaftlichen Verständnisgrundlage war groß.

Führung ist ein spannendes Thema und wie sie sich verändert im Zeitalter der Vernetzung noch ein viel spannenderes. Wir hatten diesem Thema bereits vor 4 Jahren ein ganzes we-magazine gewidmet – mit internationalem Fokus.

 

In dieser Ausgabe waren auch Peter Kruse (GF nextpractice GmbH) und Thomas Sattelberger (ehemaliger Personalvorstand der Deutschen Telekom AG) vertreten. Beide sind heute die “öffentlichen Gesichter” wenn es darum geht, das “Forum Gute Führung” nach aussen zu vertreten. Beide werden auch am 15 Oktober 2014 auf der Zukunft Personal in Köln in eimem Gespräch das Projekt vorstellen, die Ergebnisse der Studie diskutieren und einen Ausblick geben, wo die Reise denn hin gehen soll. Begleitet wird der Auftritt der beiden von dem FutureLab HR, in dem ganz gezielt zu einzelnen Führungsthemen vernetzt in Gruppen gearbeitet wird.

Doch first things first;-)

Der Internetplattform “Forum Gute Führung” liegt eine nextexpertizer Studie von nextpractice zugrunde. 400 Führungskräfte wurden dazu befragt. Ein Querschnitt durch die Führungslandschaft in Deutschland: Dax-Unternehmen und KMUs aus allen Regionen der Republik und vielen Branchen.

Die Ergebnisse in Kurzfassung

In dem aus den Interviews errechneten Werteraum “Gute Führung” wird erkennbar, welche Aspekte des Führungshandelns noch akzeptiert, welche in Frage gestellt oder bereits klar abgelehnt werden. Darüber hinaus zeigen die Daten, wohin sich „gute Führung“ in Zukunft nach Einschätzung der Erfahrungsexperten entwickeln wird und was den handelnden Personen auf dem Weg dahin besonders wichtig ist. Eine detaillierte Darstellung finden Sie hier auf der Projektseite selbst.

Es wurden 10 Kernaussagen beonders heraus gestellt:

1. Flexibilität und Diversität sind weitgehend akzeptierte Erfolgsfaktoren.
2. Prozesskompetenz ist für alle das aktuell wichtigste Entwicklungsziel.
3. Selbst organisierende Netzwerke sind das favorisierte Zukunftsmodell.
4. Hierarchisch steuerndem Management wird mehrheitlich eine Absage erteilt.
5. Kooperationsfähigkeit hat Vorrang vor alleiniger Renditefixierung.
6. Persönliches Coaching ist ein unverzichtbares Werkzeug für Führung.
7. Motivation wird an Selbstbestimmung und Wertschätzung gekoppelt.
8. Gesellschaftliche Themen rücken in den Fokus der Aufmerksamkeit.
9. Führungskräfte wünschen sich Paradigmenwechsel in der Führungskultur.
10. Führungskultur wird kontrovers diskutiert.

Der Werteraum “gute Führung” steht allen, die mehr erfahren wollen, zur Verfügung. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass Sie die “Daten fragen” – sprich sich selbst durch den Raum navigieren und wichtige Resonanzfelder von Führung erkennen und besser verstehen lernen. Sollten Sie im Datenraum verloren gehen, können sie via Twitter oder als Kommentar auf der Plattform ihre Fragen stellen.

Was mich persönlich am meisten an den Ergebnissen fasziniert hat, ist die Tatsache, wie “verloren” sich anscheinend viele Manager fühlen und wie ohnmächtig sie als Einzelpersonen zu sein scheinen, um den Herausforderungen, denen sie in den Unternehmen gegenüber stehen, alleine entgegen zu treten. Die Sehnsucht nach einem kollektiven Vorgehen ist gross und wie es Peter Kruse formuliert auch notwendig. Er sagt, dass Führung im Unternehmen nicht losgelöst von der Gesellschaft betrachtet werden kann. Führung ist zu einem gesamtgesellschaftlichen Thema geworden und hat nun auch die Mangementetagen der Unternehmen erreicht. Ausführlich erklärt Peter Kruse dies in dem folgenden Interview, das ich mit ihm gemacht habe:

Die Studie und auch das Video geben den Startschuss für einen bundesweiten Diskursprozess zum Thema „gute Führung“ – also dem von den Managern gewünschten gesamtgesellschaftlichen Aushandlungsprozess. Das Projekt endet nicht mit der Ergebnispräsentation, sondern fängt jetzt erst richtig an. Leider geht dies in dem sehr lebendigen Artikel in der ZEIT zu der Studie etwas unter.

Wie sieht dieser Aushandlungsprozess aus und wie und wann findet er statt?

Dieser Aushandlungsprozess findet online und offline statt. In beiden Situationen wird das Großgruppen-Moderationstool nextmoderator eingesetzt. Der nextmoderator erlaubt einem strukturierten zielführenden Diskurs, in dem die Teilnehmer zu im Vorfeld definierten Fragestellungen gemeinsam Ideenansätze und/oder Empfehlungen entwickeln. Dank der durchgängigen Transparenz sind Doppelungen bei der Eingabe von Gedanken, Ideen oder Bewertungen deutlich reduziert und dadurch erhöht sich die Effizienz. Die entstehende Inhaltsdynamik fördert ein einheitliches Verständnis welches für einen konstruktiven durchaus kritischen Austausch notwendig ist. Durch mehrfache iterative Wechsel zwischen dem Generieren von Ideen (jeder sieht alles) und ihrer Bewertung (jeder kann alles bewerten), kristallisieren sich sehr schnell die WIRKLICH relevanten Ansätze heraus. Sogar eventuelle Ambivalenzen sind sofort sichtbar und im Diskurs aufklärbar. Auf der Zukunft Personal werden im FutureLab HR die ersten Workshops zum Thema “Gute Führung” in dieser Form durchgeführt. Geplant sind dann ab November weitere online Workshops auf der Plattform selbst. Und als besonderes Highlight sozusagen ist ein grosses Live-Event in Vorbereitung, welches 500 Führungskräfte an vier Standorten vernetzt und gemeinsam an dem “Führungsleitbild für Deutschland” arbeiten lässt.

Ich denke, dieser Aushandlungsprozess ist der ganz entscheidende Mehrwert den dieses Projekt bietet.

Ich bin gespannt, wieviele der Führungskräfte, die sich diesen “Austauschprozess so gewünscht” haben, nun auch tatsächlich bereit sind, Zeit und Gedanken dafür herzugeben und gemeinsam in diesen Prozess einzutreten. Es ist Arbeit und es ist nicht “for free”. Die Manager selbst müssen etwas dafür tun. Es ist immer eine Sache “Studien zu konsumieren”, es ist eine andere Sache, dann aktiv auch für die Veränderung einzutreten. Dies macht man in der Regel nur, wenn man an diese Veränderung wirklich glaubt und diese will. Walk your talk liebe Führungskräfte!

David Weinberger / Peter Kruse – The entire conversation

Finally the entire conversation between Peter Kruse and David Weinberger on “data”. It was last year, late September at Petersberg. A very warm and sunny day. Actually 4 month before David’s book Too Big to Know was published.

All in all 7 videos:

part 1: Warm-up;-)
part 2:Peter and David are “warming up” and trying to find out what the other one is meaning when he talks about data, knowledge and understanding.
part 3: The impact of technology on culture and the question if the internet is capable of “building” a new culture.
part 4: The responsibly of the ME and the WE within the network and how narratives can help to create a better understanding between different cultures.
Is it possible to tell a story if it includes a hyperlink?
part 5: On politics
part 6: What can WE do?
part 7: 140 characters on DATA

Too Big to Know – Part 2

The first part of the conversation between Peter Kruse and David Weinberger started out with a more general discussion on data and how data is related to networks, especially the internet.

In this second part they are talking about the impacts of technology on culture and the question if the internet is capable of “building” a new culture.

Too Big to Know?

I have to admit it’s been a while since we videotaped this conversation between Peter Kruse and David Weinberger on “data”. It was last year, late September at Petersberg. A very warm and sunny day. Actually 4 month before David’s book Too Big to Know was published.

For me, as an observer more or less, it was very interesting to see the different approaches both of them took when they were talking about data. Peter, who spent great parts of his life in the field of brain research, always in search for a higher order (pattern recognition, understanding) within all these networks; David, embracing the messiness of the web and open data, was arguing from the side that knowledge (data) itself is becoming the network.

So let me start with the very end. After a two hour converstaion we asked both of them to “squeeze” the most essential about data in a tweet – here is what they came up with:

In this first part of the conversation Peter and David are “warming up” and trying to find out what the other one is meaning when he talks about data, knowledge and understanding:

Please stay tuned, more to come!

Upgrading Entrepreneurship!

Last week I’ve had a long conversation with Peter Kruse, nextpractice GmbH, on the business impacts of nextexpertizer. A shortened version of the interview will be published soon by Google.

Peter gives you an insight into why it’s important to think about how and which data to collect in order to achieve valuable data sets and explains how nextexpertizer reveals the dynamics of hidden value patterns underpinning psychological and social change. What nextexpertizer does is to upgrade entrepreneurship in a way that identifies and visualizes values on the threshold of transferring into actual consumer behavior. Meaning: As a CEO, manager, politician you’re sure to know what’s next.

Here are the single video snippets:

01 The correlations between data, patterns and complexity
02 What kind of data do we need to achieve complexity reduction by pattern formation?

03 Cultural value systems are telling you what’s next
04 The basic idea behind nextexpertizer
05 What’s next? – implications for business strategies
06 We are upgrading entrepreneurship
07 Resonance and empathy enable fully viral
07 Empathy and resonance enable “fully viral”
08 What’s next in Social Media?
09 A Matter of Fact in A World of Values
10 Why n=100 is more than enough to measure value systems
11 This data is absolutely clever
12 What’s next in the world of data?
13 Politicians should challenge people in different ways

Virtual Launch WE_Leadership, Wednesday, April 6, 6 pm CST



John Hagel and Peter Kruse will join us on Wednesday, April 6, at 6 pm CST for the virtual launch of our latest issue WE_Leadership. Both of them will be available for an hour via videostream to answer YOUR questions. To participate login here:

http://bertelsmann-stiftung.reflact.com/launch-we-magazine/

All you need is to type in your guestname, no authentification!

The system we are using is Adobe Connect. The space is limited to 500 people.

Lee Bryant and Peter Kruse on Enterprise 2.0

Yesterday I was at Petersberger Gespräche in Bonn, where I moderated a series of “nextpractices” to Enterprise 2.0. The opening of the conference were the following 2 keynotes by Peter Kruse, nextpractice, Bremen, and Lee Bryant, Headshift, London.

Prof. Dr. Peter Kruse, nextpractice GmbH
»Revolution 2.0: Wie die sozialen Netzwerke Wirtschaft und Gesellschaft verändern« (in German)

Petersberger Gespäche 2010

Lee Bryant, Headshift
»Enterprise 2.0: practical and traditional«

Petersberger Gespäche 2010

we-magazine special: FutureChallenges

FutureChallenges, our third edition of we-magazine, is dedicated to futurechallenges.org, a new open online platform. futurechallenges.org is about the most important issues of our time, global megatrends, like climate change, migration, scarcity of resources, globalization … and especially the way they interconnect, reflect and magnify one another which will be decisive in shaping our common future.

So why did WE decide to dedicate this issue to FutureChallenges?

For us it is of the utmost importance that an institution like the Bertelsmann Stiftung is finally reaching out to the Web, that they embrace abundance and let the network set the agenda! Their goal is to build a highly connected virtual space based on the principles of participation, transparency and openness. futurechallenges.org is definitely a step in the right direction – WE will follow its path and see how it becomes more open and social.

WE are very proud to introduce an incredible line-up of authors – just to name a few: Peter Kruse, Hans Rosling, George Siemens, John Hagel III, Peter Spiegel, Isaac Mao, Emer Beamer and many more …

The magazine at a glance is here, the PDF is free for download:

we-magazine 03 – FutureChallenges