Empathie. Experiment. Provokation.

Für den 5.ten Online Geburtstag von Oubey – Mindkiss-Projekt – durfte ich mal wieder Prof. Peter Kruse interviewen. Er war einer der ersten, der mit seinem Encounter diesem ungewöhnlichen Kunstprojekt einen grösseren Rahmen verschaffte. Ich war damals dabei als er das Bild, das Dagmar Woyde-Koehler ihm mitbrachte, sozusagen “auspackte” und auf sich wirken liess. Die erste Reaktion damals – er stellte es weg von dem ursprünglichen Platz unter einem Olivenbaum im Schuppen 2 (nextpractice Büro) und platzierte es direkt vor der Computerwand. “Da passt es besser hin”, meinte er.

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Prof. Peter Kruse, Schuppen 2, Encounter with Oubey, 2010

Mindkiss ist für mich ein aussergewöhnliches Projekt. Ich würde es nicht unbedingt als Kunstprojekt bezeichnen – es ist für mich vielmehr ein interaktives Experiment, das anders als man es gewöhnlich kennt, mit Kunst umgeht. Die Geschichte von Oubey in wenige Worte zu fassen ist schwer. Oubey ist bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben gekommen und hat ein umfassendes Kunstwerk hinterlassen. Bis zu seinem Tode hatte er erst eine Ausstellung gemacht und hatte sich nach dieser dann ganz bewusst aus dem traditionellen Kunstbetrieb zurückgezogen. Er hat geschaffen, nicht mehr ausgestellt. Als er nach Jahren der Distanz wieder für eine Ausstellung bereit war, starb er. Dagmar Woyde-Koehler trägt seinem Wunsch, wieder in die Öffentlichkeit zu gehen und doch dem traditionellen Kunstbetrieb fern zu bleiben mit dem Mindkiss Projekt in höchstem Maße Rechnung. Sie hat einen lebendigen Interaktions- und Erlebnisraum für Oubeys Kunst geschaffen, in dem sie mit besonderen Formaten wie Encoutern und ungewöhnlichen Events wie Oubeys Online Geburtstag im ZKM seine Bilder zu echten Begegnungen mit seinen Betrachtern werden lässt. Frei von irgendwelchen auferlegten Zwängen und Interpretationen. Frei von dem Zwang verkaufen zu wollen.

Die Menschen, die in einer ersten Runde von Woyde-Koehler zu einem Encounter eingeladen wurden, sind alle ja man könnte sagen “artverwandt” mit Oubey. Sie stehen für die Themen, die ihn interessierten, und zeigen die Vielfalt von Oubeys Gedankenwelt auf. Und wie es scheint, “sprechen” die Bilder in ihren Begegnungen mit den betrachtenden Menschen. Peter Kruse machte diese Erfahrung vor 5 Jahren. Er wurde förmlich in das Bild hineingezogen, das er damals als unverschämt bezeichnete, und er war erstaunt, welche Tiefen das Bild aufwies. Es nahm ihn mit auf eine Erkundungstour, an deren Ende Kruse das Gefühl hatte, in Oubey einen Seelenverwandten zu haben, jemanden der einen sehr ähnlichen Blick auf ein Thema hat, jedoch dieses aus einem vollkommen anderen Blickwinkel betrachtet. Empathie.

Über die Jahre betrachtete Kruse das Projekt aus der Distanz. Manchmal war er bei einem Event zu Gast. Er sah wie sich Oubeys Kunstwerk weltweit und online einen Raum zum Experimentieren schaffte – ein Experiment, das anders als man es für gewöhnlich kennt, mit Kunst umgeht. Und er sah wie eine “Community” rund um Oubey und Mindkiss entstand. Menschen setzten sich mit Oubeys Bildern auseinander, trafen sich real und virtuell und tauschten sich aus – in einem vorgegebenen Rahmen, aber innerhalb dessen vollkommen frei. Eine Spielwiese. Ein Sandkasten. Eine Plattform. Lebendig. Erfrischend. Und vielleicht gerade deshalb provozierend.

Provokation. Das ist der wesentliche Punkt, den Kruse fünf Jahre später dem Mindkiss Projekt zuschreibt. Die Provokation mit Kunst anders als rein profit- und anlageorientiert umzugehen. Für ihn skizzieren die drei Layer des Mindkiss Projektes Empathie, Experiment und Provokation ein mögliches Modell, Kunst als eine bedeutende Kraft für das Entstehen von kulturellen Werten wiederzubeleben und nicht Kunst als Anlageobjekte in der Finanzwelt des Kapitalismus untergehen zu sehen. Mindkiss als Modellversuch für ein neues System “Kunstmarkt”. Ein System dritter Ordnung – wie Kruse sagt. Ein System, das NEU ist und nicht versucht, das Alte besser zu machen oder auf dem Alten neu aufzusetzen. Das findet Kruse spannend. Und er nimmt es zum Anlass, uns alle aufzufordern, ganz grundlegend über Fragen wie “In welcher Gesellschaft wollen wir leben?, “Müssen wir nicht den Begriff des Kapitals neu definieren?” “Was passiert mit einem System, wenn ihm das Feindbild abhanden kommt?” “Brauchen wir Räume, die frei von kommerziellen Marktmechanismen sind?” nachzudenken …

In dieser Hinsicht findet Kruse das Mindkiss Projekt sehr provokativ – es regt zum Nachdenken an und zeigt dabei einen neuen Weg bereits auf …

An interview version with English subtitles you can find here.  And here is the written English interview:

Times Square Art Square

Recently I’ve met Justus Bruns in Antwerpen. Justus is founder of Times Square Art Square – an incredible art project. When I forst heard about it a year ago, I thought somebody must be dreaming. Justus and his team are planning to replace the commercial ad space at Times Square, New York, with art.

And it seems, it will happen … the first event is in October 2012.

I chatted with him about the “WE” in his work and how this endevour was shaped and grew into what it is today …

The Impact of the Internet on the Arts

This week I’ve talked with Vanessa Branson and Jon Nash in London about this topic. Vanessa is an art collector, ran an art gallery in the late eighties and is currently president of the Marrakech Biennale. The Biennale will take place for the fourth time in late February 2012. Jon Nash, a yound English artists who also participated in our conversation, will exhibit in Marrakech next year. His work is in various ways influenced by the Internet – what you can easily see on his website.

For the very first time the Biennale will include its website as an important part for broadening its audience but it will also be an art piece by itsself …